Wie Graffiti-Zeichen zu einem Kulturgut werden

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Posted by Stefan | Posted in Allgemeines, Klang, Kultur | Posted on 21-04-2010

Interessantes Projekt: Graffiti Analysis will die Bewegung der Graffiti-Writer dokumentieren. Dazu wurde eine aufwendiges digitales Scan-System und eine eigene Auszeichnungssprache namens GML / Graffiti Markup Language geschaffen.

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Bemerkenswert ist allerdings, wie sich hier durch den Klang und die 3D-Präsentation allein die Wahrnehmung von Graffiti als Kulturgut verändert. Die verwendeten Sounds, die an Choräle erinnern, findet man sonst eher in Dokumentationen über das Universum oder das Wunder des Lebens.

Anschauen hier:

Graffiti als Kultur wird hier fast schon transzendiert und aus der schmutzigen Straßenecke herausgeholt (was ja schon längst geschehen ist). Hier allerdings mit ganz simplen auditiven Zeichen.

via Trendspotting

Logorama: Ein Film aus (Marken-)Zeichen

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Posted by Stefan | Posted in Kultur, Semiotik und Produkte, Typografie | Posted on 20-03-2010

Oskarnominiert und voller Zeichen: der Film Logorama. Bemerkenswert dabei: Die Zeichen werden völlig unabhängig genutzt, aber dennoch bleibt die Konnotation hängen und verändert die Persönlichkeit der Rollen. Im Interview sagen die Produzenten dazu folgendes:

The Michelin guy, for example—like in casting you’re looking for a fat guy for the undercover cop. And plus with the very strong and powerful logotypes, you have to fight to push the story as the first thing to follow.

But once you cast the certain logos into their roles, the brands add a whole new layer of meaning to everything.

Der Trailer erinnert mich auch an den guten alten Clip für “The Child” von Alex Gopher – wohl nicht zufällig: Er ist vom selben Regisseur, nämlich dem französischen Trio H5.

Was neu ist, ist die sozialkritische Wendung, die Logorama nimmt. Für Menschen, die sich mit Marken und Zeichen auseinandersetzen, sicher sehenswert!

Was ist Euer Eindruck bei diesem Trailer? Auf mich wirkte das Szenario eher bedrückend.

Semiotische Tagung “Krisenzeichen” in Soest

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Posted by Stefan | Posted in Kultur, Semiotik im Alltag, Soziosemiotik, Tagungen, Veranstaltungen | Posted on 22-02-2010

Heute habe ich eine Einladung zur Tagung “Krisenzeichen” an der FH Soest bekommen. Wer sich für angewandte Semiotik und Auswirkungen von Zeichen auf Ökonomie und Gesellschaft interessiert, ist dort richtig. Hier ist die Kurzfassung der Einladung:

Die Tagung ist eine Kooperation der Sektionen »Wirtschaft« und »Soziale Systeme« der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS) mit dem Ziel, Wirtschafts-Insider, Gesellschaftstheoretiker und Zeichentheoretiker auf einen gemeinsamen Gegenstand – die aktuelle Wirtschaftskrise – zu fokussieren und mittels eines gemeinsamen Ansatzpunkts– das/die Zeichen – in einen interdisziplinären Diskurs zu bringen.

Im Zentrum der Tagung steht eine Frage, die von einer wissenschaftstheoretischen Kontroverse zu einem massenmedialen Thema geworden ist: Wird die Wirtschaft von Personen – so genannten Leistungsträgern – betrieben, denen dann entsprechende Verantwortung im Erfolgs- UND im Krisenfall zukommt oder müssen wir von systemischen Prozessen ausgehen, denen die Menschen bloß kommentierend zuschauen? Von dieser Frage hängt es nicht nur ab, ob wir überhaupt sinnvoll von Moral, insbesondere von Wirtschaftsethik sprechen können, sondern auch, ob eine pragmatische Semiotik, die auf menschliches Zeichenhandeln abhebt, überhaupt theoretischer und praktischer Ansatzpunkt sein kann.

Ich werde schauen, ob ich vor Ort sein kann.

Parteien als Markenversprechen

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Posted by Stefan | Posted in Kultur, Politik, Semiotik im Alltag, Semiotisches Marketing | Posted on 16-11-2009

Nachtrag zur Bundestagswahl: Knut Volkenand von der Charismakurve prüft, ob Parteien als Marken ihrem Versprechen nachkommen – und kommt zu interessanten Ergebnissen. Zwar ist die Wahl jetzt schon ein wenig länger her, aber das Grundproblem bleibt bestehen: Für welche Bedeutung stehen die Parteien? Er reduziert die Bedeutung auf Begriffe, für die die Parteien derzeit stehen. Das sieht so aus:

Dampfen wir doch einfach mal ein (lange Rede, kurzer Sinn) und tun so, als ob wir nur einen Begriff pro Partei zur Verfügung hätten.

Das ist einfach bei der FDP: Geld.
Mehr Geld und Achtung für die Besserverdienenden. Bei der Linken: Rache
Bestrafung der Besserverdienenden.

Bei den Grünen: Gutes Gewissen.
Das verdiente Gefühl, bei den Besseren zu sein.

Bei der CDU: Sicherheit
Mit uns verdienst Du, dass es noch immer gut gegangen ist.

Bis hier sind das alles ganz honorige Verheißungen die auf virulente Bedürfnisse treffen.

Aber bei der SPD? Was verheißt man da heute?

Tja, gute Frage. Vielleicht hat der neue Vorsitzende ja eine passende Antwort gefunden, man wird sehen.

Microsoft made my heart go boom. Ein Lehrstück über Viral Marketing

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Posted by Stefan | Posted in Kultur, Psychologie, Semiotik im Alltag, Semiotik und Produkte, Semiotisches Marketing | Posted on 13-11-2009

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Foto von Flickr-User viZZZual.com

Kurzzeitig war ich in Microsoft verliebt. Ja, zarte Gefühle ehrlicher Zuneigung zum Softwareriesen, ein ehrlicher Enthusiasmus, man könnte sagen: MSN-Schmetterlinge in meinem Bauch.

So funktioniert Viral Marketing

Wie wir aus dem Viral Marketing lernen können, ist es so, dass sich Menschen am liebsten Geschichten weitererzählen, die 3 Kriterien erfüllen:

  1. Eine gute Geschichte erzeugt eine intensive Emotion, sei sie nun positiv oder negativ. Je intensiver, desto besser.
  2. Derjenige, der die Story erzählt, will Dir damit einen Gefallen tun, Dir helfen oder Dich vor Ungemach bewahren.
  3. Schließlich den Trigger, der die Menschen im Alltag an die Erzählung erinnert, so dass sie sie unmittelbar in Erinnerung rufen und erzählen.

Das alles erfüllen Urban Legends über alle Maßen gut. Im zitierten Artikel geht die Legende so:

The police have issued this warning: “If you are driving after dark and see an oncoming car with no headlights on, DO NOT FLASH YOUR LIGHTS AT THEM!” Why? Because the no-headlights car is being driven by a gang member, and as part of an initiation rite, the first person who flashes him will be hunted down and killed.

Hier sind alle Kriterien von oben erfüllt, aber auch der Flurfunk kann das, wenngleich viel subtiler.

Die Vorfreuden des jungen Werther

Von verschiedenen Leuten ereilte mich plötzlich die Botschaft, dass man Windows 7 kostenlos bekommt, wenn man an einer teilnehmenden Hochschule eingeschrieben ist. Das trifft für mich derzeit zu. Huch? Hat da endlich jemand verstanden, wie man sich bei der gebührengebeutelten Studiseele sympathisch und authentisch im Gedächtnis verankert?

Was ich zunächst nicht glauben konnte, wurde mir aus erster Kommilitonenhand bestätigt: Man bezahlt 5€ Bearbeitungsgebühr und bekommt dann eine Lizenz und einen Download für Windows 7. Wow.

Die Kriterien waren auch erfüllt:

  1. Dass mir jemand sein neuestes Betriebssystem schenken will, ist natürlich positiv und Grund zur Freude
  2. Studenten erzählen sich das untereinander, weil man die Anderen auch von diesem unglaublichen Vorteil wissen lassen will. Und zwar egal, ob man nun mit einem Physiker, einer Juristin oder einem Sozialpädagogen befreundet ist.
  3. Der Trigger dafür ist überall, wo ein Bildschirm und eine Tastatur sind. Also inzwischen fast überall.

Es ist erstaunlich, wie viel unter Studenten (und auch Studentinnen!) darüber gesprochen wird, sich tatsächlich Windows7 zu installieren und sich gut dabei zu fühlen. Auch ich habe in diesem Moment meinem zögerlichen Streben abgeschworen, in Zukunft zur Konkurrenz abzuwandern.

Das jähe Ende einer kurzen Romanze

Nach all diesen hoffnungsvollen amourösen Zuneigungsbekundungen aus zweiter Hand war der Zettel an der Tür des Rechenzentrums das jähe Ende der aufblühenden Liebschaft:

“Das Programm gilt nur für Studierende der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.”

Oh, das ist hart. Warum denn das? Meine erste Reaktion war Enttäuschung und Frustration: Da höre ich etwas Erfreuliches aus unerwarteter Ecke, nehme den Umweg ins entlegene Rechenzentrum in Kauf, habe eine Vorfreude darauf, das neue Windows 7 auszutesten, von dem ich so viel Gutes gehört habe. Und dann schlägt mir der Konzern meine Mühen um die Ohren und sagt mir, dass man als Studierender der Sozialwissenschaften oder der philosophischen Fakultät nicht zum erlauchten Kreis dazugehört?

Jede Kommunikation zeigt uns etwas über die Attitüde einer Marke

Meine zweite Reaktion war eher pragmatisch: Was lernen wir daraus über Microsoft als Firma?

Wir sehen einerseits, dass Apple in seinen I’m a Mac-Spots die Wunde Stelle von Microsofts Markenpersönlichkeit gefunden hat und sich daraus immer wieder einen Spaß macht:

Darüber habe ich in anderer Form schon mal ausführlicher geschrieben.

Andererseits sehen wir, dass Microsoft sich immer wieder verzweifelt bemüht, in den kreativ-schöpferischen Bereich vorzustoßen und dort ernstgenommen zu werden.

Ich hatte vor dem vernichtenden NEIN auf dem Zettel an der Tür das Gefühl, dass Microsoft endlich einen passenden Weg gefunden hat, diese Gruppe anzusprechen. Es wäre nicht glaubwürdig gewesen, an Designhochschulen zu gehen und Windows zu verschenken, und genausowenig ist es glaubwürdig, Windows 7 nur an Studierende der Naturwissenschaften auszugeben. Es an alle Studierenden auszugeben, das wäre insofern glaubwürdig gewesen, weil Microsoft als mächtiger Konzern wahrgenommen wird, der auch im Leben der Word-benutzenden Romanistikstudentin eine Rolle spielt und in der Welt der diagrammerstellenden BWL-Studenten.

Und nein, das war kein großzügiger, kulanter Typ im T-Shirt, der sagt: “Ja, mir ist egal, ob Du später mal ein Medien-Typ wirst oder ein Zahlenjongleur in einer Bank oder ein Nerd in einem Chemielabor. Hauptsache ist: Ich will, dass du dich mit meinem Produkt anfreundest und es auch später benutzt, weil du es genau damals, am Ende deiner Studienzeit, ins Herz geschlossen hast und es sich richtig anfühlte.”

Nein, wer da auf dem Zettel zu mir sprach, war vielmehr jemand im beigefarbenen Anzug mit einem Ordner von Excel-Tabellen unter dem Arm, der vorher genau nachgerechnet hat, der Menschen in eine Schublade gesteckt hat und nicht konsequent für alle da sein will. Der mir sagt: “Wichtig ist, dass du was mit Zahlen machst, denn das ist das einzige, worin ich auch sicher bin, die anderen können ohnehin nichts mit Computern anfangen. Und ich mit dir irgendwie auch nichts.”

Wie eine Marke ihr Potential durch falsche Zeichen einschränkt

Was der Werbeblogger schon zu den traurigen Spots festgestellt hat, gilt somit auch hier für die beschriebenen impliziten Zeichen der Marke:

Diese Spots repräsentieren nicht im mindesten das, was in der Marke Microsoft wirklich steckt.

MS sollte sich das Geld für kurzfristige Imagekampagnen sparen und einmal zeigen, dass Markentreue zu Microsoft sich konsequent positiv auswirkt. Nämlich, indem sie zum Gespräch auf dem Campus wird. Man stelle sich das vor: 16.055 Menschen werden allein in einer Stadt zu Multiplikatoren eines positiven Markengefühls! Und das langfristig, auch in den ach-so-hippen Medienbereichen oder dort, wo die ganzen Windows-Mobile-Nutzer zum iPhone abwandern oder gerne Geld für ihre Rechner ausgeben.

Blöd nur, dass sich der Trigger nun für mich gewandelt hat und Windows7 für mich immer mit einer Enttäuschungserfahrung verknüpft sein wird.

Tja, es war schön mit Dir, Microsoft. Möglicherweise bekommt Dein Windows noch auf einem anderen Weg eine Chance, auf meinem Rechner Einlass zu bekommen. Aber es wird wohl doch bei einer Zweckbeziehung bleiben mit uns zweien. Bis ich jemand besseren gefunden habe. Ich hab da schon jemanden im Auge.

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