Posted by Stefan | Posted in Digitale Semiotik, Semiotik im Alltag, Semiotik und Produkte, Semiotisches Marketing | Posted on 06-05-2010
Da hat der Herr Grupp von Trigema, der die Marke immer eifrig als den wackeren deutschen Textilhersteller profiliert, ein äußerst kurzes Interview gegeben, in dem er die Twitteruser als Idioten bezeichnet. Und im weiteren Sinne alle Internetuser ebenso. Vielleicht hätte er sich vorher das Internet mal ausdrucken und vorlegen lassen sollen, aber damit hat er seiner Marke in jedem Fall geschadet – selbst wenn das, wie in den Kommentaren geunkt, ein genialer Marketing-Viral-Gag gewesen ist. Schon wollen die ersten ihre Trigemashirts zum Container bringen und drohen mit Boykott.
Ironischerweise hat man beim Burladinger Betrieb die Möglichkeiten des Social Web erkannt und vor gut einem Monat Facebook- sowie Twitteraccounts an den Start gebracht.
Heute dann hektisches Zurückrudern in einem offenen Brief. Was lernen wir durch all diese Zeichen über Trigema als Marke? All das, was wir schon zuvor ahnten, aber nicht wahrhaben wollten: Nämlich, dass mit dieser Marke etwas Piefig-Traditionelles mitschwingt. Dabei hat Trigema früher in den 70ern einmal als Sportartikelhersteller in der Liga von adidas und Puma gespielt. Zur Jahrtausendwende hätte man sich auf alte Qualitäten besinnen und auf den Retro-Zug aufspringen können. Dass es nicht so kam, ist auch ein Zeichen dafür, dass diese Marke im Kern sehr traditionell denkt.
Wenn nun ein Interview – geplant oder ungeplant – diesen Umstand ebenfalls auf einer anderen Ebene bestätigt, passt das nur Konsequent zur Marke. Und damit auch zu den sonstigen Zeichen wie der Außengestaltung der Testgeschäfte oder der aktuellen Kollektion im Shop. Das ist schon mehr Adler als Adidas.
Wem gehört die Marke?
Doch zurück zur Marke selbst: Die Manomama Sina Trinkwalder hat in diesem Durcheinander die alltägliche Funktionsweise der Marke festgehalten:
[…] Liebe Vorstände und Unternehmer 1.0! Eure Kunden werden Teil eures Unternehmens. Sie gestalten sich im Dunstkreis des Sozialen Netzes eure Marke selbst.
Aber im Gegensatz zur Twitter-Diskussion ist das in Wirklichkeit schon immer so gewesen: Die Marken wurden auch an den Stammtischen und Bushaltestellen und Parkbänken dieser Welt mitgestaltet. Jeder einzelne Eindruck ist ein Zeichen und trägt zum Gesamtbild der Marke bei. Nur, dass nun jeder seine Eindrücke von der Marke im Internet festhalten und weitervermitteln kann, das ist neu. Nicht mehr und nicht weniger.
So long,
Stefan
Hallo Stefan,
Ich gebe dir völlig recht: es war schon immer so. Der einzige Unterschied zwischen Bushaltegespräch und Social Media ist die Rasanz der Verbreitung (Mouth2Mouth in F1-Tempo ;-)) und, das ist ebenso wichtig: im Netz sind Informationen abgreifbar, wann man möchte. (”Netz vergisst nichts”). Diese Aspekte haben in Bezug auf die Markenbildung in den heutigen Zeiten absolutes Gewicht.
Lg
Sina
Hi Sina,
danke für Deine Ergänzungen. Nun ist nur noch abzuwarten, wie lange es dauert, bis das von den 1.0-Firmen auch verstanden wird..
Zur Ergänzung übrigens hier noch einen Twitterer, der eine Klientel bedient, die auf jeden Fall sehr traditionell orientiert ist, wobei er dennoch seine persönliche Marke sehr nachhaltig kommuniziert: Malermeister Werner Deck aus Karlsruhe.