Wer mal Opfer eines PopUp-Werbefensters geworden ist, kennt die Tücken, mit denen man es wieder los wird: Der X-Button schließt gar nicht, sondern öffnet das Fenster, der "Schließen"-Link ist so versteckt, dass man ihn gar nicht sehen soll – oder es gibt erst gar keinen Schließen-Link. Und wenn man bei dem ganzen Ärger darüber noch klar denken kann und die Seite nicht sofort wieder ganz geschlossen hat, dann kann man sich fragen: Wissen die Betreiber und vor allem die Werber überhaupt, was sie da tun? Dass ich ein verdammtes Frustrationserlebnis mit Ihrer Kampagne oder sogar ihrer ganzen Marke verbinde? Wir schauen uns also einmal an, wie es um die beiden aggressivsten Werbeformen im Internet und um ihre semantischen Implikationen bestellt ist.
Das PopUp-Banner
Süß. Jemand glaubt also, dass man noch ohne PopUp-Blocker durch die Gegend surft. Also, wer noch einen solch alten Browser benutzt, in dem das nicht automatisch weggewaschen wird, bei dem würde ich als technikbezogener Werber gar nicht landen wollen. Wobei diese Entscheidung nochmal auf die jeweilige Zielgruppe ankommt.
Bei klassischen Pop-Ups hat man allerdings schon von selbst alle "aktuellen" User ausgeschlossen. Dabei muss doch auch dem Werbenden aus eigener Erfahrung klar sein, dass man als User bemüht ist, das blöde Fenster möglichst schnell wegzuklicken. Effektives Werben sieht anders aus, dachte ich.
Overlays
Overlays hingegen empfinde ich als ungeheuer aufdringlich. Ich werde gezwungen, eine Werbung auszuhalten, die mir auch noch meine mühsam ergooglete Information vorenthält. Momentan machen das wohl vor allem Telekommunikationsanbieter. Ich habe mich immer gefragt, wie man darauf kommt, dass das jemand brauchen könnte. Die Anbieter von Online-Werbung argumentieren dabei gerne mit der "aufmerksamkeitsstarken" oder "interaktiven" Verwendungsweise. Ja, das Interaktive daran ist vor allem, dass ich versuche, es möglichst schnell wieder wegzuklicken. Insgesamt halte ich auch die Overlays für einen Griff daneben. Wenn der TK-Anbieter wahrgenommen werden will, kann er meine Aufmerksamkeit damit auf sich ziehen, gleichzeitig jedoch auch mein Zorn. Nachhaltige Markenpflege sieht anders aus.
Werben ohne zu schaden, bitte!
Mir scheint, im Internet sei es immer noch üblich, beim Werben zu nerven. Dabei macht sich noch kaum jemand Gedanken über die Wirkung des Werbemediums selbst, scheint mir. Viele Anbieter sind sich nicht zu schade, ihre Marke zu ramponieren, indem sie Werbung im Internet wählen, die sich einfach schlecht "anfühlt". Daher sollte das Marketing bei Online-Werbeaktionen immer die gesamte Bandbreite der Auswirkungen berücksichtigen. Eine Werbeform, die eine billige Konnotation hat, sollte man als großes börsennotiertes Unternehmen besser meiden. Dabei besteht anscheinend schon ein grundsätzliches Verständnis für die Problematik Werbeform vs. Markenwirkung. Auch AdWords, also ein deutlich unaufdringlicheres Werbeverfahren, hat dabei gewisse Probleme, denn führt der eigene Markenname auf eine ramschige Shopseite, ist das für die Marke auch von Nachteil. Google hat inzwischen ein Markenbeschwerdeverfahren eingeführt, um ungünstige Verbindungen zu unterbinden. Jetzt müssen nur noch die Marketingabteilungen dahinter kommen, dass man schon beim Schalten der Werbung darauf achten kann, welche Konnotation eine Werbung hat. Mein persönliches Werbe-nerv-Ranking:
- Pop-Ups – Der ramschige Oldie
- Page-Overlays – Der Haudrauf-Vertreter vor deiner Wohnungstür
- InText-Overlays – Die Billo-Plastik-Verpackung der Internet-Werbewelt
Alle 3 konnotieren immer auch eine Art von Beschaffenheit. Man könnte quasi sagen: ein PopUp hat auch eine Haptik. In meiner Wahrnehmung eine billige – keine gute jedenfalls.
Als Zwischenstand halten wir also fest: Die beste Werbung ist die, die man nicht bemerkt. Im Internet versucht man das dann mit guten Kontakten zum Chefredakteur – aber das ist auch keine Lösung.
Aber mich interessiert, ob es nur mir so geht, darum: Was sind Eure Top-Internet-Werbeformen und wie wirken sie auf Euch?