Ich schau Dir auf Dein Festivalbändchen, Kleines..

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Posted by Stefan | Posted in Digitale Semiotik, Ping & Pong | Posted on 14-07-2009

Diese Woche mitten im Juli beginnt nicht nennenswert mit Zeichen. Eigentlich habe ich in den letzten Tagen vor allem Verkehrszeichen gesehen, als ich mich von Arbeitsplatz zu Supermarkt zu Zuhause bewegt habe. Und ich habe versucht, die Zeichen des Himmels zu deuten. Insbesondere ein gigantischer Cumulonimbus über Düsseldorf-Süd hatte es mir dabei angetan. Was er mir sagen will, habe ich leider nicht herausgefunden. Denn, ich will mich ja nicht beim Wettergott beschweren, aber irgendwie ist Herbstwetter und ich habe schon geplant, einen Ausflug in ein Thermalbad mit Sauna und Massagestrahlern zu machen und an den kommenden Wochenenden vor allem Tee (besser noch: Glühwein) zu trinken und Filme zu schauen.

…ist dabei nicht eigentlich gerade Festival-Hochsaison?

Festivals sind mehr als nur Musikorgien und Dosenfutterexzesse. Festivals sind Zeichen. Das lustige bei Festivals ist ja, dass sie inzwischen auch zu einer Art Zeichensystem aus Marken geworden sind. Darum trägt der eifrige Hardcore-Festivalgänger seine Festivalbändchen auch stolz am Handgelenk, fein aufgereiht, am besten nach Jahren oder Farben sortiert. Denn: Sie sagen etwas über mich aus, ich kann etwas über mich zeigen.

Der geneigte Festivalbändchen-Interpret kann zur Deutung auch sein Hintergrundwissen einbringen: Musikrichtung, Alkoholfaktor, Regionalitäts-Grad, subjektive Brauchbarkeit und WIchtigkeit der Headliner. Und voilà, schon kann man das Gegenüber sehr genau einschätzen, was Musikgeschmack, Szenezugehörigkeit und Partylaune betrifft. Ohne auch nur ein Wort gesprochen zu haben. Dafür hat man aber hervorragende Startvoraussetzungen für ein Gespräch. Immerhin.

Anscheinend hat man diesen Zusammenhang beim StudiVZ vor ein paar Wochen (Anfang Juni) schon gerochen und in das Netzwerk integriert.

StudiVZ Festivalportal

Interessanterweise passt das ja zu dem, was ich vor 2 Wochen zu Aka-Aki referiert habe. Denn immerhin werden auf diese Weise bedeutungsgebende Elemente in das siechende VZ integriert. Man muss der Idee zugestehen, dass das ein echter Vorteil gegenüber dem Konkurrenten Facebuch ist. Denn dort gibt es keine so eindeutige grafische Zuordnung von Labels zu einer Person. Und Logos wirken in der digitalen Kommunikation eindeutig stärker als alles andere, da kann man seitens Google bei der Remix09-Konferenz noch so sehr betonen, dass AdWords auch Markenbedeutung kommunizieren könnten – Ein Markenlogo sagt nun mal mehr als 1000 AdWords.

Aber ich schweife ab: Auch ein Festival-Logo auf meinem Profil kann mehr über mich verraten als viele blumige oder auch weniger blumige Worte bei “über mich”. Zumindest ist es schnell erfassbar. Und die Besucher meines Profils erfahren konnotativ sehr viel über meine Interessen, Lebensweisen und Vorlieben. (Die Werbepartner von StudiVZ vermutlich auch.) So wie man eben Festivalbändchen interpretieren kann. Welche wiederum die hineininterpretierte Szene interpretieren lassen. Und wozu man auch sofort Vorstellungen parat hat, die das Leben und die Werte eines Szenegängers betreffen. Die Festivalprofile (und auch die Edelprofile) helfen, diese Assoziationskette digital durch ein einfaches bildliches Zeichen in Gang zu setzen und mit dem User zu verknüpfen. Geschickt gelöst!

Wäre das eigentlich ein Fall von unendlicher Semiose nach Peirce?

Comments (1)

Im Gegensatz zu den sonstigen plumpen Versuchen, Marken und Unternehmen mit Pseudomenschlichen Profilen bei Social-Networks anzumelden, endlich mal eine gelungene Adaption realer semiotischer Phänomene in den digitalen Raumen.

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