Ich a.k.a. aki

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Posted by Stefan | Posted in Digitale Semiotik, Ping & Pong | Posted on 30-06-2009

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Man kann ja alles mögliche als bedeutungsschaffend betrachten. In Sprachen entstehen Wortbedeutungen durch Umschreibungen mit anderen Worten oder durch ihren Kontext, in der Mode entsteht persönliche Bedeutung für die Anderen erkennbar durch die Kleidung, die man trägt.

Das blöde bei Datingseiten oder sozialen Netzwerken (was ja eigentlich insgeheim dasselbe ist) ist ja, dass niemand im digitalen Raum Anhaltspunkte darüber bekommt, wie eine andere digitale Begegnung einzuschätzen ist. Außer eben den bekannten Profilfotos, Verlinkungen, “Ichglühhartvor”-Gruppen undsoweiter.

Aka-Aki bringt das Soziale Netzwerke auf eine neue Ebene: Social Tagging würde ich es einmal nennen. Man kann sein Handy mit einer Software ausstatten, die einem bescheid gibt, welche anderen Aka-Aki-User sich im Radius von 20m aufhalten und Informationen über diese Personen bekommen. Und zwar in Form von “Stickern”, die für persönliche Vorlieben oder bevorzugte Marken stehen.

Hervorgegangen ist das Projekt aus einer Diplomarbeit zweier Studierenden der Universität der Künste Berlin. Die Betaphase von Aka-Aki begann etwa vor 2 Jahren. Damals kannte das Projekt praktisch niemand, die Software war in den Kinderschuhen, und als zeicheninteressierter Semionaut hatte man praktisch keine Chance, mit diesem Projekt in Kontakt zu kommen. Seitdem ist viel passiert, und Aka-Aki hat sich beim Webby Award 2009 den Siegertitel in der Kategorie “Social Mobile Media” erkämpft.

Ich lasse jetzt mal den ganzen Mobil-Tohuwabohu der Idee weg und rede nur davon, was mit den Menschen passiert.

Das Erstaunliche ist nämlich, dass mit diesem “Social Tagging” nichts anderes geschieht als in Bedeutungsprozessen auch: Man gibt sich eine Bedeutung, man stattet sich selbst mit Konnotationen aus. Man kann dazu aus über 200 vorgefertigten Stickern auswählen, z.B. Marken, Gruppenzugehörigkeit, Hobbies, Lieblingsserien, Lieblingsessen etc. Wem das nicht reicht, der kann sich selbst neue Sticker bauen.

Ich habe das mal ausprobiert und einen Sticker für semionautisch Interessierte gebaut (Ja, ich weiß, man kann schönere Namen und Bilder wählen, aber ist erstmal nur ein Test):

image

Interessanterweise tragen nach nur einem Tag schon 3 Leute diesen Sticker. Und haben nun diese Bedeutung. Wer diesen Leuten auf der Straße begegnet oder wer ihr Profil im Internet besucht, kann nun über die Zusammenstellung der Sticker erfahren, wem er da gerade begegnet ist.

Das kann man nun alles toll finden oder schlimm – Fakt ist: Dies ist das erste mir bekannte soziale Netzwerk, das endlich mal die Möglichkeiten semiotischer Bedeutungserzeugung ausschöpft!

Menschen werden bei Aka-Aki zu digital erzeugten Bedeutungen. Eine geniale Idee.

Personen (und in der Mobil-Version auch wildfremde Passanten) bekommen über ein System aus Zeichen eine komplexe Bedeutung, mit der man mehr über eine Person und ihren Charakter in Erfahrung bringen kann als über das übliche Profilfoto oder ein paar allgemeine Aussagen über sich. Wir können als soziale Wesen nämlich sehr genau deuten, welche Vorlieben und Abneigungen jemand hat.

Spannend wäre jetzt, tatsächlich mal Personen zu treffen, deren Stickerzusammenstellung meiner gleicht oder die mir sympathisch erscheint. Würde mich mal interessieren, ob ich dadurch mehr erfahre als wenn ich auf der Party Kleidungsstil und die Gesprächsthemen der Bekannten von der Bekannten von nem Bekannten einzuordnen versuche.

Aber dieser Selbstversuch erfordert, dass ich mir auch so ein iTelefon zulege. Das kann soweit noch warten, sonst hätte ich jetzt schon den Sticker mit dem Apfel auf meinem Aka-Aki-Profil kleben.

Solange bin ich noch “Ich a.k.a.* Semionaut S”

*”also known as”

Comments (3)

Es wird spannend sein zu beobachten, inwiefern digitale Bedeutungen, auf Grund der wachsenden Nutzung von sozialen Online-Netzwerken, materielle Güter als Bedeutungs- und Persönlichkeitsstiftende Träger verdrängen werden. Denn umso größer der Freundeskreis über digitale Kanäle angesprochen, vergrößert und gepflegt wird, umso weniger werden materielle Zeichen wie Schmuck, Kleidung, Autos etc. zählen, sondern Dinge wie die Anzahl der Twittereinträge, Facebook-Comments, Statusupdates usw.
Ich bin sicher, daß dies nicht das Ende des materiellen Konsums bedeuten wird, aber ich bin gespannt welche Unternehmen am ehesten diesen Paradigmenwechsel begreifen und in Ihren “Marketing”-Ansätzen umsetzen werden.

Ja, erinnert mich an einen anderen Beitrag auf Good.is: http://www.good.is/post/conspicuous-but-not-consuming/
Da gehts nämlich um digitale Statussymbole statt physischer Statussymbole. Super find ich das Beispiel von dem Typen, der extra seinen BMW verkauft hat, um in den Palo-Alto-Cafés gut anzukommen.. :)
Ich bin mal gespannt, wie sich dieser Trend zum digitalen Rumprollen, äh, ich meine natürlich digitale Imagepflege, entwickeln wird. Wird das einfach ein zusatzlicher Bereich, in dem die Menschen Zeichensysteme entwickeln werden oder ersetzt der digitale Status irgendwann die physischen Statussymbole?
Ich frage mich auch, mit welchen Zeichen dann virtuelle Glaubwürdigkeit vermittelt wird: Präsenz auf facebook, StudiVz und Lokalisten mit einem identischen Profil? Oder eben nur noch ein Profil?

[...] passt das ja zu dem, was ich vor 2 Wochen zu Aka-Aki referiert habe. Denn immerhin werden auf diese Weise bedeutungsgebende Elemente in das siechende VZ integriert. [...]

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